Donnerstag, 15. Juli 2021

Fragen an die Unterstützergruppe "Ulvi Kulac"


Wir wurden  ein bisschen kritisiert ob der einseitigen Berichterstattung hier und tatsächlich gefiel uns das Buch von Frau Rödel so gar nicht gut.

Warum also nicht genau hier ansetzen und einen Dialog aufbauen? Der Fall ruht, die öffentlichen Berichte sind fast eingeschlafen; der perfekte Zeitpunkt?

Probieren wollen wir das, auch aus einem konkreten Anlass heraus: Denn vor Kurzem wurde in der Frankenpost ein Bezahlartikel veröffentlicht, der sich um das Buch "Weggesperrt" von Frau Rödel drehte.


Beworben wurde er von der Frankenpost u.a. in folgendem Facebook-Post:

https://www.facebook.com/Frankenpost/posts/10157734409221315

 Quelle: Facebook.com; Frankenpost

Die Kommentarsektion wurde zunächst fleissig genutzt, auch von Gudrun Rödel, der Autorin. Sie war in einigen Beiträgen sehr locker und stellte in Aussicht, auch mal ein Buchexemplar zu verschenken.

In zwei Fällen allerdings gab es nur indirekte Reaktionen: keine Antwort bzw. ein Sperren nach kritischeren Beiträgen.

Eine Betroffene meldete sich bei uns übers Kontaktformular und schilderte Ihre Erfahrung:

"Wenige Minuten nach meiner Veröffentlichung wurde ich von Frau Rödel bei
Facebook blockiert (ich konnte ihre Beiträge / ihr Profil nicht mehr sehen).
Dies hat mich schon sehr irritiert, weil ich keiner Form beleidigend
geschrieben habe. Ich habe lediglich etwas kritisch angemerkt.
In mir reift immer mehr das Gefühl, dass hier etwas Schlimmes vertuscht
werden soll. Jedoch gerade nicht von Seiten der Ermittlungsbehörden.
Anders lassen sich die Anschuldigungen und kruden Theorien für mich nicht
mehr erklären."

(Auszug aus Benachrichtigung über das Kontaktformular derfallpeggyknobloch.blogspot.com)

Da es in dem unerwünschten Beitrag tatsächlich einen Link auf unseren Blog gab, lag es nahe, an den Unterstützerkreis die Fragen zu stellen sowie auf den Umgang mit Kritikern hinzuweisen.


Unser Fragenkatalog sah so aus:


Fragen

01.
Die Plattform ulvi-kulac.de wurde gelöscht, die Domain steht bald zum Verkauf. Was hat Sie bewogen, diese Anlaufstelle für so viele sympathisierende Menschen aufzugeben? Heisst das, dass der Unterstützerkreis nicht mehr existiert oder wird er sich in Zukunft anderweitig organisieren?
 
02.
Der Unterstützerkreis hat große Schnittmengen mit ähnlichen Gruppen. In allen anderen Gruppen wird eine Politik der Offenheit und Transparenz gefahren. War das nie Ziel des Unterstützerkreises Ulvi Kulac, die Öffentlichkeit mit Fakten zu überzeugen? Bestes Beispiel hierzu sind die unveröffentlichten Urteile von 2004 und 2014. Während die anderen befreundeten Gruppierungen sämtliche Urteile bis hin zu einzelnen Dokumenten aus dem Schriftverkehr mit Behörden oder mit Bezug zu psychiatrischen Erkrankungen öffentlich machen, bleiben Sie hier bedeckt. Welche Gründe gibt es hierzu?
 
03.
Die mangelnde Auseinandersetzung mit den vielen Missbrauchstaten an einigen Lichtenberger Kindern war ein großer Kritikpunkt in früheren Blogbeiträgen. Können Sie genauer erläutern, warum von Seiten des Unterstützerkreises die Meinung vertreten wird, es habe keine Missbräuche gegeben sondern vielmehr Spaß unter Gleichaltrigen?
 
04.
Gegen den Sexuellen Missbrauch an Peggy durch Ulvi K. wurde über Jahre hinweg ein weiteres Wiederaufnahmeverfahren angekündigt. Wie ist hier der Stand der Dinge? Gab es Gespräche mit den anderen vermeintlichen Opfern, die die gerichtliche Feststellung von Missbräuchen 2004 entkräften könnten?
 
05.
Nach dem Leichenfund 2016 gab es zunächst von Seiten des Unterstützerkreises die Auskunft, es lägen konkrete Hinweise vor, dass das Mädchen noch leben würde. Welche Hinweise waren das konkret?
 
06.
Der Unterstützerkreis hat mit großer Öffentlichkeit eine ganze Reihe an Anzeigen und Klagen gegen Ermittlungsbehörden, Journalisten und gegen den Gutachter Prof. Dr. Kröber angestrengt.
Über die jeweiligen Ergebnisse wurde seit 2019 die Öffentlichkeit nicht informiert.
Stagnieren diese Verfahren oder gibt es hier bereits Entscheidungen?
 
07.
Sie selbst hatten 2020 per Video über eine Abhöraktion der Behörden berichtet, von der Sie persönlich betroffen waren. Die Fortsetzung blieb aus, deshalb die Frage: gibt es zu den damals geplanten Beschwerden mittlerweile einen neuen Stand?
 
08.
Aus der abschliessenden Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft zur Einstellung der Ermittlungen im Fall Peggy geht zwischen den Zeilen hervor, dass die beiden Lichtenberger Manuel S. und Ulvi K. weiterhin als die wahrscheinlichsten Täter in Bezug auf das Verschwinden des Mädchens gelten.
Wie stellt sich der Unterstützerkreis zu dieser Einschätzung?
 
09.
Wie schätzt der Unterstützerkreis die allgemeine Stimmungslage zum Fall vor Ort in Lichtenberg ein? Haben die letzten Bekanntmachungen Auswirkungen auf die Sichtweise der Bevölkerung vor Ort gehabt?
 
10.
Ulvi K. wurde im Winter 2021 zu einer Geldstrafe beurteilt wegen einer Einbruchs- und Diebstahlsserie. Frau Rödel wollte umgehend Berufung einlegen. Gibt es hierzu neue Informationen? Ist das Urteil rechtskräftig? Hat dieser Prozess Auswirkungen auf die Wohn-/Unterbringungssituation von Ulvi K.?


Der Erfolg waren ein paar wenige Emails in denen keine einzige Frage beantwortet wurde.

Wir machen dennoch weiter. Vielleicht sind andere Kreise offener?

Drückt uns die Daumen!




Fragen über Fragen - neues Format mit ungewissem Ausgang

Nach einigen Wochen Funkstille möchten wir Euch mit neuen Ideen überraschen.

Zugegeben, so ganz neu ist das alles nicht. Immerhin gab es in der Vergangenheit etliche Fragen von unterschiedlichsten Kreisen an unterschiedliche Kreise.

Erinnern wir uns an die unsäglichen tendenziösen Fragen in Form eines Fragekatalogs, die die damalige Bürgerinitiative öffentlich an Frau Knobloch stellte und deren ausbleibende Antworten für Empörung sorgten. Diese Fragen waren so verletzend und angreifend, dass wir (aktuell) auf eine erneute Veröffentlichung verzichten.

Es gab auch Fragen an die Polizei oder an die Bürgerinitiative, an Zeugen. Diese Fragen tauchten überall auf, in Diskussionsforen, sozialen Netzwerken, über Zeitungsannoncen oder als Kommentare zu Onlineartikeln.

Warum also nicht die Gelegenheit ergreifen und Personen/Institutionen Fragen zu stellen, die mit dem Fall Peggy etwas zu tun haben?

Ob das erfolgreich ist oder gar zielführend? 

Der Start jedenfalls ist holprig, aber sehr selbst...

Sonntag, 16. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 16. Mai 2001

Mittwoch, der 16. Mai. 9 Tage schon war das 9-jährige Mädchen verschwunden. Drei Tornados der Bundeswehr hatten mit Wärmebildkameras das Gelände überflogen. Aber die Auswertung der Aufnahmen war ernüchternd: in dem unübersichtlichen Waldgebiet konnte das Mädchen nicht gefunden werden.

Damit wurden nun die großflächigen Suchmaßnahmen eingestellt. Weitere Durchsuchungen folgten nur noch aufgrund konkreter Hinweise.

Nun waren Routineermittlungen angesagt. Beispielsweise wurden die registrierten Sexualstraftäter überprüft, die im Großraum um Lichtenberg ansässig waren.

Mittlerweile war die Belohnung auf 50.000 DM aufgestockt worden aber auch das hatte noch keinen Erfolg gezeichnet.



Zwei mit Spezialkameras ausgerüstete Flugzeuge sowie eine Begleitmaschine waren am Dienstagvormittag in Jagel in Schleswig- Holstein gestartet und hatten das Gelände um Peggys Heimatort Lichtenberg im Landkreis Hof überflogen. Dabei wurden Luftbilder von einem sechs mal sechs Kilometer großen Gebiet angefertigt.
Mittels eines Wärmebildverfahrens sollen darauf Bodenveränderungen wie frische Grabungen im Erdreich und Wärmeunterschiede sichtbar werden. «Die Topographie macht uns die Ermittlungen schwer. Wir haben uns mehr von dem Tornadoeinsatz versprochen», sagte aber Polizeisprecher Gröschel. Spezialisten der Luftwaffe blieben aber «am Ball» und versuchten, anhand der Bilder doch noch etwas herauszufinden. Sollten die Fotos doch Hinweise auf ungewöhnliche Objekte geben, müssten Beamte am Boden die Stellen überprüfen.
Die Polizei geht angesichts der langen Zeit ohne konkrete Spuren immer stärker von einer Straftat aus. «Die Anzeichen mehren sich, dass Peggy einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist», hieß es. Dennoch gebe man die Hoffnung nicht auf, sie lebend und unversehrt zu finden.
Die 40-köpfige Sonderkommission «Peggy» setze unter anderem die Überprüfung von einschlägig vorbestraften Kriminellen aus der Umgebung fort, hieß es. Mittlerweile seien außerdem an die 500 Tipps aus der Bevölkerung gekommen. «Sie lassen sich aber nicht zu einer heißen Spur verdichten», sagte ein Polizeisprecher.
 
Quelle: rp-online, 15. Mai 2016
 
 
In einem Mordfall sind die ersten Tage entscheidend. Ein Großteil der Taten wird innerhalb eines kurzen Zeitraums geklärt.
Je länger die entscheidenden Hinweise ausbleiben, umso kälter werden die Spuren.

Im Fall Peggy sind mittlerweile 20 Jahre vergangen und im juristischen Ergebnis ist der Fall ungeklärt, die Tat ungesühnt.
Zu den  Hinweisen der ersten Tage kamen im Laufe der Zeit tausende weitere hinzu. Was fehlt ist der eine entscheidende.

Seit 2016 ist bekannt, dass das Mädchen den 7. Mai 2001 nicht überlebt hatte.

Unsere kleine Serie endet hier. Sie sollte noch einmal eindringlich an das Mädchen und das Schicksal erinnern. Sollte zeigen, wie schwierig die Ermittlungen waren, wie sehr so viele Personen mithalfen mit dem Ziel, das Mädchen noch lebend zu finden.
Der Appell bleibt bestehen: sollten Sie irgendwelche sachdienliche Hinweise haben, die den Ermittlungsbehörden im Fall Peggy weiterhelfen können, so wenden Sie sich bitte an die rechts angegebenen Stellen. Nach 20 Jahren haben es das Mädchen und ihr Mörder verdient, dass Licht ins Dunkel kommt.

Mittwoch, 12. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 12. Mai 2001

Samstag. 5 Tage waren bereits vergangen, seit Peggy auf dem Nachhauseweg verschwand. 

Mittlerweile war Lichtenberg und Umgebung in einem Umkreis von 4km engmaschig durchsucht worden (das sind 50km²). Ohne jegliches Ergebnis.

Für die Polizeiarbeit bedeutete dies einen Strategiewechsel. Ein Unfallgeschehen musste nahezu ausgeschlossen werden, die Wahrscheinlichkeit für ein Verbrechen wurde höher.

Die flächendeckenden Suchmaßnahmen wurden eingestellt.

Einen konkreten Hinweis auf eine Straftat gebe es aber nach wie vor nicht. Seit Samstag konzentriert sich die Suche, wie der Hofer Polizei-Pressesprecher Klaus Bernhardt erläutert, "sternförmig auf die Straßen, die aus Lichtenberg hinaus führen". Auch im weiteren Umkreis werde jetzt nach Peggy gesucht. Hier überprüfen die Beamten besonders die Wegraine, suchen auf den Park- und Rastplätzen entlang dieser Strecken sowie an Wald- und Feldwegen, die von diesen Straßen abzweigen.
Vor allem ostwärts von Lichtenberg im Großraum Hof und bis hin zur tschechischen Grenze wird gesucht.

 Quelle: Frankenpost, 14. Mai 2001

 

Dienstag, 11. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 11. Mai 2001

Längst hatte am 4. Tag nach dem Verschwinden die Medienwelt den Fall aufgenommen und Lichtenberg wurde von Übertragungswagen und Reportern belagert. 

Im Fall Peggy wurde am 11. Mai 2001 eine Belohnung von 10.000 DM ausgesetzt. Zwei Klassenkameraden von Peggy bestätigten ihre Aussage, wonach Peggy in einen roten Mercedes mit tschechischem Nummernschild eingestiegen sein soll. Diese Spur wird sich später in Luft auflösen, als die Jungen die Aussage zurückziehen und zudem davon sprechen, dass das Auto Peggy wieder zurückgebracht hatte. Einstweilen fahnden die Ermittler nach dem roten Fahrzeug und verstärken die Grenzkontrollen zum nahen Tschechien.

Montag, 10. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 10. Mai 2001

Der Donnerstag nach Peggys Verschwinden war ereignisreich. Scheinbar von überall her kamen neue Hinweise, denen nachgegangen wurde: ein Federmäppchen auf einem Acker, ein silberfarbenes Auto, Schreie aus einer Hütte. Das Ergebnis? Nichts.

Ein Hinweis wird noch heute von vielen Menschen als wichtig erachtet: ein Spaziergänger meldete der Polizei, auf einem Waldweg die Leiche eines Mädchens gesehen zu haben. Als er später mit der Polizei zurück kam war dort nichts mehr, auch Hunde schlugen nicht an. Wieder eine Spur, die nicht bestätigt oder negiert werden konnte. Es sollten noch viele folgen.

Währenddessen gingen die Routineaufgaben der Polizei weiter. Bezugspersonen von Peggy wurden befragt, ihre Mutter ebenfalls nochmal. Das Haus von Ulvi K.s Eltern wird ergebnislos durchsucht.

Und schließlich, kurz nach 22 Uhr, die Polizei. Die kleine Peggy Knobloch wird zum spektakulärsten Vermisstenfall der Region. Noch in der Nacht nennt Knobloch den Polizeibeamten in ihrer Küche einen Verdächtigen: "Der Hansi F. - das war mein erster Gedanke." Am nächsten Vormittag wird der junge Mann von der Kripo überprüft. Am 10. Mai wird das Haus der Familie F. zum ersten Mal durchsucht. Die Spurensicherer kommen noch mehrere Male. Hinweise auf Peggy finden sie nicht.

 Quelle: Frankenpost, 31. Januar 2002

Insgesamt 150 Polizisten durchkämmten weiterhin das unwegsame Gelände rund um Lichtenberg. Sie fanden nicht die geringste Spur des Mädchens.

Sonntag, 9. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 9. Mai 2001

 An diesem Mittwoch waren schon 2 Tage vergangen, seit das Mädchen spurlos verschwand. Ganz im wörtlichen Sinn. Keine Spuren eines Unfalls, keine Kleidung, kein Schulzeug, kein Mädchen.

Dabei suchten mehr als 200 Polizisten und Helfer, es wurden Hunde und Hubschrauber eingesetzt. DLRG, das Bayerische Rote Kreuz, die Feuerwehr. Im Ergebnis: nichts.

Damit sank die Wahrscheinlichkeit eines Unglücks und es begann eine Ermittlungsarbeit, die ihresgleichen sucht.

Die Soko "Peggy" wurde gegründet und mit 40 Beamten besetzt und ein "Ermittlungsverfahrens gegen unbekannt wegen des Verdachts des Menschenraubes zum Nachteil des am 7. Mai 2001 als vermisst gemeldeten Kindes Peggy" wurde eingeleitet.

Samstag, 8. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 8. Mai 2001

Schon direkt nach der Vermisstenmeldung wurden 30 Beamte mit Hunden nach Lichtenberg gesandt, um dort die Wohnung, das Haus, die Altstadt und den Burgberg zu durchsuchen. Zu diesem Zeitpunkt war die Hoffnung gross, das Mädchen noch lebendig zu finden.

Die Suchmassnahmen wurden dann erweitert. In der Früh um 6.00 Uhr waren bereits 50 Polizisten und 60 freiwillige Helfer der Feuerwehr vor Ort und begannen den Suchradius zu erweitern. Im Laufe des Tages gesellten sich weitere Beamte und viele Freiwillige hinzu. Mit Hunden, Hubschraubern und Tauchern des DLRG wurde die Umgebung nach dem Mädchen durchsucht.

Neben der Suche wurden erste Vernehmungen durchgeführt, Ulvi K. wird bereits am Vormittag überprüft.


Noch in der Nacht nennt Knobloch den Polizeibeamten in ihrer Küche einen Verdächtigen: "Der Hansi F. - das war mein erster Gedanke." Am nächsten Vormittag wird der junge Mann von der Kripo überprüft.
Quelle: Frankenpost, 31.1.2001
 
Unter anderem wurden der Schullehrer Peggys und mindestens 2 ihrer Klassenkameraden befragt.

Für Zeitungsartikel war es am Dienstag noch zu früh, erste Radiomeldungen über das vermisste Mädchen gingen über den Äther.
Mit einem Suchplakat sollten die Lichtenberger aufgefordert werden, Hinweise auf den Aufenthaltsort Peggys zu geben.
 
Am Ende des Tages blieb die Sorge: das Kind wurde nicht gefunden.





Der Täter muss unter dem Eindruck der Tat gestanden haben.
Gab es Jemanden, der sichtbar nervös war?
Wurde Jemand bei der Entsorgung der verschwundenen Gegenstände beobachtet oder trug Jemand auffällige Dinge mit sich? Verschwunden waren neben den Schulsachen auch die Regenjacke des TSV Lichtenberg.
Fiel ein Auto an einer ungewöhnlichen Stelle auf?
Erinnert sich Jemand an Begegnungen im Wald oder an Stellen zur Müllentsorgung?
Verbrannte Jemand Müll im Garten?

Freitag, 7. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 7. Mai 2001

Der 7. Mai 2001 war ein Montag. Die neue Woche startete bei nasskaltem Wetter, das Thermometer sank auf etwa 6°C, es war trübe und ungemütlich.
Schulkinder wie Peggy mussten zur Schule, Ulvi K.s Eltern nutzten den Ruhetag in der Schlossklause, um sauber zu machen, Peggys Eltern gingen arbeiten. Ulvi K. selbst war daran gewöhnt, lange zu schlafen, er wurde erst gegen 12.30 Uhr von seiner Mutter geweckt. Aber noch Jemand hatte frei: Manuel S. Er feierte an diesem Tag seinen 24. Geburtstag und hatte Urlaub genommen für einige Erledigungen und um nachmittags mit Familie und Verwandten Kaffee zu trinken.


Vormerkung: alle folgenden Zeitangaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen Zeitungsartikeln und Pressekonferenzen entnommen. Schwankungen sind durchweg möglich, teilweise sogar erheblich. Zeugenaussagen können falsch sein oder in Details abweichen. Der hier vorgestellte Tagesablauf ist der, der sich aus den öffentlich verfügbaren Informationen herauskristallisiert.




Elsa K. hatte in der Schlossklause Mittagessen zubereitet und weckte ihren Sohn gegen Mittag, damit er von der Kirchgasse zum Essen hoch kam, bevor er um 13.00 Uhr bei einem Bekannten zum Holzschlichten erscheinen sollte. Ungefähr gegen 12.30 Uhr hatte sich Manuel S. zu Fuss am oberen Marktplatz aufgehalten, um mit einer Anwohnerin dort über die Verpachtung eines Grundstücks zu reden. Er will Ulvi K. auf dessen Weg nach oben gesehen haben.



Manuels Mutter fuhr kurz vor 13.00 Uhr nach Bad Steben, um dort Kerzen zu besorgen. Bei dieser Gelegenheit sah sie Ulvi K. auf einer Bank am Henri-Marteau-Platz sitzen, gegenüber der Zufahrt zum Marktplatz. Er sass auch noch dort, als sie kurz nach 13.00 Uhr wieder zurück kam.
Ulvi K. bestätigte diesen Aufenthalt dort und gab an, auf Peggy gewartet zu haben. Er wollte sich für den Übergriff 4 Tage zuvor entschuldigen. Der Sitzplatz ist strategisch gewählt: Ulvi K. konnte so zum einen sehen, wer den Marktplatz hinunter kam aber auch die Strasse einsehen, aus der Peggy zu erwarten war.
Peggy war zu dieser Zeit (gegen 13.10 - 13.15 Uhr) auf dem Weg nach Hause. Sie hatte sich verspätet, weil sie mit einer Freundin noch den Tafeldienst übernommen hatte. Auf ihrem Weg an der Friedhofsmauer entlang und damit geradewegs auf den Henri-Marteau-Platz zu wurde Peggy von der Zeugin Birgit R. noch gesehen, die auf der anderen Straßenseite schräg hinter Peggy lief und das Mädchen noch im Bereich des Henri-Marteau-Platzes sah, wie sie rechts in den Marktplatz einbog. Die Zeugin hatte sich selbst auf den Verkehr konzentrieren müssen, als sie an der unübersichtlichen Kurve die Strasse überqueren musste. Ulvi K. oder Manuel S. waren ihr nicht aufgefallen.
Es muss ziemlich zeitgleich gewesen sein, als die Zeugin Helen C., die Peggy von der Schule her kannte, das Mädchen aus dem Schulbus heraus an etwa der gleichen Stelle sah.

Was die nächsten 45min passierte ist ein Rätsel.

Peggy kam nie zuhause an. Dort, wo ihre Mutter Essen bereitgestellt hatte und wo sie ihre Schulklamotten wechseln sollt, wo ihre Spielsachen waren.

Gegen 14.00 Uhr, mit einer einstündigen Verspätung, tauchte Ulvi K. bei dem Bekannten auf und half ihm wie vereinbart. Ein Blutfleck, der seit diesem Einsatz die Arbeitsjacke verschmutzte, resultierte seiner Mutter zufolge aus einer Verletzung des Nachbarn. Ihr Sohn erklärte hingegen, er selbst habe sich am Finger verletzt.

Das Auto von Ulvi K.s Eltern parkte entgegen ihren polizeilichen Aussagen oben an der Schlossklause (siehe Zitat).


Mit Spannung wurden gestern auch offizielle Mitteilungen darüber erwartet, was nach dem Mord mit Peggys Leiche geschehen ist. Ulvi K. soll seinen Vater, den 56-jährigen Gastwirt Erdal K., beschuldigt haben, die Leiche in seinem Auto wegtransportiert zu haben. "Er hat aber keinerlei Angaben über den Ablageort gemacht", sagte Polizei-Einsatzleiter Osel. "Der Vater räumt das nicht ein", fügte Leitender Oberstaatsanwalt Tschanett hinzu. Er habe allerdings für die Zeit der möglichen Leichenbeseitigung kein gesichertes Alibi. Der Gastwirt habe sich zudem in unmittelbarer Nähe des Tatorts befunden und sein Wagen, ein anthrazitfarbener Opel-Astra-Kombi sei - entgegen den Aussagen aus der Familie - dort geparkt gewesen. "Wir haben keine Beweise, aber Indizien, dass uns aus der Familie, speziell vom Vater, nicht die ganze Wahrheit gesagt wurde."

Frankenpost, "Elf weitere Kinder aus Lichtenberg sexuell missbraucht", 23.10.2002



Um 15.07 Uhr hält sich Manuel S. im Vorraum der örtlichen Sparkasse auf. Über seinen Aufenthalt ab 13.00 ist nichts bekannt.

Gegen 17.00 Uhr gingen bei der Polizeistation in Naila 2 Notrufe ein. Sie können Florian L. zugeordnet, der die Anrufe mit einem Scherz erklärte. Florian L. war damals gerade einmal 7 Jahre alt und erzählte in mehreren Aussagen widersprüchliche Dinge. Er will den Mord an Peggy gesehen haben aber auch den Ablageplatz. Ausserdem will er an dem besagten Nachmittag noch lange mit Peggy gespielt haben. Keine seiner Aussagen kann nachgewiesen werden.

Kurze Zeit später trampte Ulvi K. ins 8km entfernte Naila. Mitgenommen wurde er von Herbert H., dem damaligen Bürgermeister von Lichtenberg. Dort wechselt er mehrmals zwischen 2 Gaststätten. Sein Vater, der erstmals am Abend losfuhr, um seinen Sohn zu suchen, konnte ihn nicht finden. Als Begründung für diese Suche gab er an, das Ulvi K. sich zu viel Geld eingesteckt hatte.


Um seine Rolle an diesem Tag. Nach den Erzählungen seiner Frau war er den ganzen Tag bei ihr gewesen. Nur eine halbe Stunde fehlt. Denn von 19 bis 19.30 Uhr hatte sie ihn losgeschickt, den ausgegangenen Sohn zu suchen. Denn sie hatte bemerkt, dass er zu viel Geld dabei hatte. „60 Mark, das war für einen Abend zu viel. Ich dachte, damit spielt er wieder an Automaten. Und so dick haben wir es ja auch nicht.“ Also sollte der Mann das Geld sicherstellen. Doch er fand den Sohn nicht. Nach einer halben Stunde Suche soll er heimgekommen sein.

Nürnberger Zeitung, "Mutter des Angeklagten widerspricht sich". 15.1.2004


Peggys Mutter kam um 20.00 Uhr von ihrer Schicht im Altersheim zurück und stellte fest, dass Peggy weder zuhause noch bei den Nachbarn war, zu denen Peggy immer gehen konnte.
Nach erfolgloser eigener Suche und mehrere Anrufe bei Freundinnen von Peggy und bei Bekannten stellte sie um 21.55 Uhr eine Vermisstenanzeige.

Genau zu dieser Zeit traf Ulvi K. wieder in Lichtenberg ein und kehrt laut Angabe seiner Betreuerin noch im Gasthaus Zwick ein. Wer ihn aus Naila mitgenommen hatte und was er die letzten 2 Stunden getan hatte, bleibt ungeklärt.

 
BR online, abgerufen am 19.2.2019


Das "Zwick" liegt direkt neben dem "Blauen Haus", Peggys Zuhause. Dort, wo am 7. Mai 2001 die Hölle begann. Diese Hölle dauert noch immer an.


Wer hat Erinnerungen an den 7.5.2001?
Wer hat einen der Protagonisten gesehen?
Kann Jemand die Verletzung des Nachbarn bzw. eine solche von Ulvi K. bezeugen?
Wurde Erdal K. gesehen, als er seinen Sohn suchte?
Wer war noch im Gasthaus Zwick an diesem Abend?
Wie verbrachte Manuel S. den Nachmittag und Abend seines Geburtstages?
Wie konnte Ulvi K. von Naila nach Lichtenberg kommen?
Hat Jemand Fotos oder Filmaufnahmen in und rund um Lichtenberg von diesem Tag?



Donnerstag, 6. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 6. Mai 2001

Der 6. Mai 2001 war ein Sonntag, das Wetter hatte sich in Oberfranken spürbar abgekühlt. Nach gestrigem Regen blieben die Temperaturen unter der 10°C-Marke. 

Im Hause Knobloch fiel auf, dass sich Peggys Verhalten verändert hatte.

Im Nachhinein, sagt Susanne Knobloch, werde ihr jetzt so manches klar. Peggy sei ganz verändert gewesen in den letzten Tagen vor ihrem Verschwinden. Das Mädchen, das sonst stundenlang in ganz Lichtenberg allein unterwegs war und von allen als ausgesprochen kontaktfreudig beschrieben wird, habe sich nicht mehr ohne Begleitung vor die Tür getraut. Nicht einmal quer über die Straße, um die Frühstückssemmeln zu holen. Den ganzen Sonntagnachmittag habe sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Jasmin im Garten hinter dem blauen Haus am Lichtenberger Marktplatz verbracht.

Quelle: Frankenpost, 31.1.2002 


Neben Wesensveränderungen, die die Mutter bei Peggy schon eine ganze Zeit beobachtet und deshalb auch einen Arzt konsultiert hatte, gab es also eine Auffälligkeit, die kurz vor Peggys Verschwinden eintrat.

Die Angst oder die Bedrohung lauerte ausserhalb des geschützten Bereichs, den sie mit ihrer Familie zusammen bewohnte und nützte. 

Vor wem oder was hatte das Mädchen Angst?


Dienstag, 4. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - der 4. Mai 2001

Der 4. Mai 2001 war ein Freitag. In Düsseldorf wurde Guido Westerwelle zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt. Piloten der Lufthansa streiken und sorgen für erhebliche Störungen Reisender.

Das Wetter verschlechterte sich in Lichtenberg und die Einwohner freuten sich über das anstehende Wochenende.

Abends trafen sich einige davon in der Kneipe. So auch Ulvi K. und Manuel S. Die beiden hatten an diesem Tag ein ganz spezielles Gesprächsthema: Peggy und der gestrige Missbrauch an ihr durch Ulvi K. 

Obwohl eine Freundschaft zwischen ihnen immer abgestritten wurde spricht die Brisanz dieses Gesprächsthemas Bände. Nicht nur vertraute Ulvi K. seinem Gegenüber eine so pikante Szene an. Manuel S. gab seinerseits zu, "so etwas" gerne auch einmal machen zu wollen.

In drei Tagen sollte das Mädchen verschwinden.


Was einen möglichen Missbrauch ins Spiel bringt. Genau das, was Ulvi K. und Manuel S. einige Tage zuvor „besprochen“ hatten. Ulvi K. hatte S. in einer Kneipe in Lichtenberg davon erzählt, dass er Peggy missbraucht habe. Dies wolle er auch tun, habe S. gesagt. In seinem Teilgeständnis bestätigte er dies zum ersten Mal seit 18 Jahren. S. hatte keine Freundin. Und er hatte in seiner Jugend ein sexuelles Verhältnis mit Ulvi K.
Sexuellen Kontakt zu einer Frau hatte er bei einem Bordellbesuch an seinem 18. Geburtstag, der nach seinen eigenen Angaben nicht klappte. Dieses Sexualverhalten von S. war auch den Ermittlern 2002 schon aufgefallen, weswegen er damals in Verdacht geriet.
Vor allem, nachdem er bei einem Ausflug betrunken damit geprahlt hatte, Peggy vergraben zu haben. Die Polizei vernahm ihn fünfmal, er blieb dabei, nichts mit dem Verschwinden Peggys zu tun zu haben. Und ausgerechnet am 12. September 2018 gab er zu, das Mädchen verscharrt zu haben, obwohl er jahrelang Erfahrung im Umgang mit der Polizei hatte und Leugnen gewohnt war. Indiz Nummer sechs.

Quelle: Nordbayerischer Kurier, "Puzzle-Arbeit der Ermittler im Fall Peggy", 15.2.2019 (entnommen von Facebook)




Während die BI direkt nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Manuel S. 2018 jegliche Freundschaft bzw. Beziehung zwischen Ulvi K. und Manuel S. abstritt gibt es auch anderslautende Informationen (siehe obiges Zitat).
Kann Jemand Genaueres zu der Beziehung der Beiden sagen? Haben sie sich oft getroffen? Änderte sich hier etwas nach Peggys Verschwinden? 
Welche Version stimmt denn?
 
 
 


Heute vor 20 Jahren - der 3. Mai 2001

Der 3. Mai 2001 war ein Donnerstag. Der wolkenlose Himmel und knapp 25°C bringen Frühsommerfeeling mit sich.

Spätestens im September 2001 wird Ulvi K. erstmals gestehen, Peggy an diesem Tag massiv sexuell missbraucht zu haben. 

Schon im Mai 2001 hatte er bei der Polizei zugegeben, vor dem Mädchen onaniert zu haben. Der Vorfall am Donnerstag vor Peggys Verschwinden aber soll massiver gewesen sein. 
 
Die folgenden Ausschnitte von vermeintlichen Akten geistern seit Jahren im Internet herum. Weder ist die Echtheit bestätigt noch das Anfertigungsdatum bekannt.
Die Inhalte sind in Übereinstimmung mit den öffentlich verlautbarten Informationen, wonach der Übergriff auf Peggy eine Steigerung darstellte.

Quelle: Allmystery, Facebook
 
 
 
 
 
Quelle: Facebook (Bild dort nicht mehr verfügbar)


Die Bürgerinitiative für Ulvi K. führt für diesen Tag noch 2 Aktivitäten Peggys an.
So soll diese gegen 17.00 für etwa 30min eine Freundin besucht haben bevor sie sich auf den Weg zum Turntraining machte. Diese scheinbare Normalität wird als Gegenargument zur gestandenen versuchten Vergewaltigung verwendet.

Hat Jemand Erinnerungen an diesen Tag? Gibt es Aufnahmen vom Training? War Jemand in Lichtenberg in Urlaub und hat beim Wandern oder bei der Einkehr Fotos geschossen?

Montag, 3. Mai 2021

Heute vor 20 Jahren - neue Serie

Mit dieser neuen kleinen Aktion möchten wir an Peggy erinnern. Wir möchten Euch dazu anregen, an sie zu denken und Erinnerungen heraufzubeschwören, falls Ihr sie kanntet.

Überhaupt wäre es positiv, wenn Menschen aus Lichtenberg und Umgebung vom Blog animiert werden, ihre Gedanken 20 Jahre in die Vergangenheit schweifen zu lassen. Wer wurde wann mit wem gesehen? Gibt es Schnappschüsse aus dem relevanten Zeitraum vom 4.5.01 bis 8.5.01? Dieser Zeitraum startet mit der vermeintlichen Vergewaltigung Peggys und endet mit einem Datum, an dem die Nachbereitung der Tat beendet war.

Der Täter wohnte entweder in Lichtenberg oder hielt sich zumindest um die Mittagszeit am Montag, den 7.5.01 in Lichtenberg auf. Waren Sie auch dort? Fotos, Tondokumente, Bilder aus Überwachungskameras, Begegnungen und Gespräche usw. Gab es im Vorfeld und danach Beobachtungen, die auffällig waren? Personen, die die Köpfe zusammensteckten? Die plötzlich auffallend viel miteinander zu tun hatten oder solche, die sich plötzlich mieden? Umzüge, Verkäufe, Reinigungsaktionen, Entsorgungen, Verbrennungen, Stilwechsel, neue Kleidung, Wesensveränderungen, Depressionen, Personen, die sich zurückzogen?
All das könnte wichtig sein.

Es ist ja nicht so als hätte es solche Aufrufe nicht gegeben. Der Blog will auch gar nicht eine unrealistische Chance großreden.

20 Jahre sind eine gute Zeit, damit eventuell doch noch Jemand umschwenkt, der irgendetwas weiss und beitragen kann. 20 Jahre, die der damals neunjährigen Peggy gewaltsam geklaut wurden. In denen ihre Geschwister erwachsen wurden. In denen der Familie das Herz immer wieder ausgerissen wurde und in denen sie unglaublich vielen Anfeindungen ausgesetzt waren. 20 Jahre, in denen der Täter zur Ruhe kommen durfte. Eine lange Zeit, die eventuell einem Zeugen den Mut und die Freiheit von Abhängigkeiten gibt, mit seinem Wissen hervorzutreten.


Bitte tragen Sie den Gedanken an Peggy weiter. Falls es Hinweise geben sollte, die nicht bekannt sind, so sind Sie genau richtig beim Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bayreut.

Keinesfalls nimmt dieser Blog Hinweise entgegen. Wir haben nur die Hoffnung, dass jede noch so kleine Chance genutzt wird, um die Ermittlungen wieder aufzunehmen und zumindest den Angehörigen die so wichtigen Antworten zu geben.

 

Wenn wir die nächsten Tage in den Blogbeiträgen Eintragungen vergessen, so wären wir dankbar für jede Ergänzung. Jede Beteiligung an den Gedanken an das Mädchen ist willkommen, hier oder auch anderswo.

Dieses Mädchen hat es verdient, dass man es nicht vergisst und der Mörder ebenfalls.

Mittwoch, 28. April 2021

Buchkritik Teil 6: Gudrun Rödel "Weggesperrt" 2021

 

Der Prozess

Ab Seite 73 wird der Prozess 2003-2004 „dokumentiert“.

Auftakt bildet ein Abschnitt mit persönlich-freundschaftlicher Note, in dem Norbert R., einem Weggefährten der Autorin besonderer Mut attestiert wird, weil er „damals“ (genauer sind die Zeitangaben nicht) ein T-Shirt mit der Aufschrift „Bestechlich und Korrupt“ trug. Das Beweisfoto wurde gleich mitgeliefert, selbstredend ohne Beschriftung und Nennung des Fotografen.

Im zweiten Abschnitt auf derselben Seite geht es um eine kollektive Empörung über ein „Pauschalurteil über alle Bürger, die in Lichtenberg lebten“. Zugrunde liegt ein vermeintlicher Satz des Verteidigers von Frau Knobloch. Er hatte von einer „Gefühlskälte, die an diesem Ort immer wieder sichtbar wurde, wie tief muss man sinken, um eine solche Toleranzschwelle zu erreichen“ gesprochen. Unklar bleibt, bei welcher Gelegenheit und in welchem Zusammenhang dieser Satz fiel. Die Autorin jedenfalls spricht von einer Hetzkampagne und unterstellt dem Anwalt, „nie die Akten gelesen, sondern einfach nur in das Horn der Staatsanwaltschaft „geblasen“ zu haben".

 

Seite 74 beginnt mit einer Reihe an Vorwürfen an das Gericht. So habe dieses allein Peggys Mutter geglaubt und nicht den Zeugen, die wahrheitsgemäss ausgesagt hätten. Das Gericht hätte nichts hinterfragt oder in Zweifel gezogen. Das Gericht hätte überdies bewusst nicht alle Entlastungszeugen eingeladen. Als Beispiel einer „Beweismittel-Unterschlagung“ nennt die Autorin den Roller von Peggy, der im Gericht nicht gezeigt wurde. An ihm habe sich ein Widerspruch in den Aussagen eines Zeugen und der Mutter von Peggy ergeben und nur weil der Roller nicht vorgezeigt wurde, habe man die Aussage des Zeugen für „nicht glaubhaft“ erklärt.

 

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 75
 
 


Den monatelangen Prozess handelt das Buch auf ganzen 3 Seiten ab. Kein Wort über die mitverhandelten Missbräuche, kein Wort über die weggebrochenen Alibizeugen, kein Wort über die überraschende Entscheidung von Ulvi K.‘s Familie, nicht mehr vor Gericht auszusagen, nachdem sich Widersprüche ergeben haben.

 

Urteil/Zeugenaussagen/Motiv

Die nächsten Kapitel werden aufgrund desselben Tenors hier zusammengefasst.

Die Autorin zeigt im folgenden Schnelldurchlauf ihre Kritikpunkte am Urteil auf:

  • 65 Zeugen, die Ulvi K. zu dieser Zeit nicht auf der Bank am Henri-Marteau-Platz haben sitzen sehen
  •  Widerspruch, weil Ulvi K. eine ganz andere Rentnerbank erwähnt hatte, ein ganzes Stück weit weg am Sieleinsweg
  • Zeitliche Diskrepanzen, die sich aus der privaten Auswertung des Fahrtenschreibers des Schulbusses ergaben
  • Das Ignorieren von Zeugen, die Peggy am Nachmittag und Abend noch gesehen haben wollen
  • Das Ignorieren von einer jüngeren Freundin, die Peggys Mutter erwähnt habe und die die Autorin mit dem Mädchen gleichsetzt, das einige Kinder am Nachmittag des Verschwindens in Peggys Begleitung gesehen haben wollen
  • Vernehmungen in Abwesenheit des Rechtsbeistandes
  • Übertölpelnde Vernehmungsmethoden bei den Befragungen von Ulvi K.
  • Zustandekommen der „Videoaufzeichnung des angeblichen Tathergangs“ ohne Zustimmung des Verteidigers
  •  Das Ignorieren von Anhaltspunkten, die auf Peggys eigene Familie hinwiesen, die Grund gehabt hätte, aufgrund eines Missbrauchs verschwinden zu lassen
  • Kein Beweis für einen Sexuellen Missbrauch Peggys am 3. Mai 2001 durch Ulvi K.
  • Zufügen von körperlichem Schmerz im Bereich der Schulter durch einen Ermittler
  • Anschreien des Verdächtigen während der Vernehmung
  • Vernehmung während der Fahrt zum Verhör und damit ohne anwesenden Rechtsbeistand
  • Berücksichtigung der Aussagen von Peggys Mutter und Frau L., beide unglaubwürdig
  • „enge Kooperation [Anm.: der Zeuginnen] mit den Ermittlungsbeamten der Soko II“
  •  Beeinflussung des Kinderzeugen Florian L. durch die Ermittler

 

Gerade der letzte Zeuge nimmt viel Raum in dem Kapitel ein. Florians Mutter wird als skrupellos und mit blindem Belastungseifer hingestellt:

 

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 87

Es geht weiter über eine Therapie des Jungens, die nichts mit dem Fall Peggy, dafür aber mit innerfamiliären Problemen zu tun hatte. Zur Opferrente, die er zeitweise vom Weissen Ring bekam, sagt die Autorin:

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 90

Soweit die Kapitel, die den Sachstand von 2004 betreffen. Die inhaltliche und chronologische Folge wird dem Leser nicht klar, denn nach den Kapiteln „Prozess“ und „Urteil“ werden erst die inhaltlichen (vermeintlichen) Fehler von beidem benannt.

Vieles wird in diesen 4 Kapiteln nicht erwähnt. Jegliches belastende Element (denn immerhin erging ein Urteil wegen Mordes) fehlt.

Dass es 27 Verhandlungstage waren, in denen das Gericht nach der Wahrheit suchte und etliche Zeugen und Gutachter anhörte, wird verschwiegen. Ebenso jedes Detail aus der Verhandlung und nicht einmal der genaue Wortlaut der Verurteilung wird genannt. Dass Ulvi K. wegen Mordes verurteilt wurde bleibt unerwähnt. Ebenso die gerichtliche Feststellung einer ganzen Reihe von sexuellen Übergriffen gegen mehrere Kinder und gegen Peggy, die wegen nicht auszuschliessender Schuldunfähigkeit von Ulvi K. in diesem Bereich in einen diesbezüglichen Freispruch mündete.

Wiederaufnahmeverfahren

Einige Jahre, die zwischen dem 1. Urteil und dem Bestreben um eine Wiederaufnahme des Verfahrens liegen, werden nun übersprungen.

 

Die Autorin spricht aus ihrer persönlichen Warte an, dass die Anwaltskosten nur für das Wiederaufnahmeverfahren und nicht für das vorgerichtliche Verfahren übernommen wurden. Um diese Kosten zu stemmen sei sie betteln gegangen.

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 92

Aus der folgenden Episode sollte sich dann tatsächlich der 1 von 2 Gründen für die spätere Wiederaufnahme ergeben.

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 92

Im Podcast von Antenne Bayern zu dem Fall präzisierte RA Euler, dass er dem Patienten Peter H. eine Nachricht hinterliess, sinngemäss sollte es sich für Herrn H. lohnen, würde er sich bei RA Euler melden.

Genau so trat es auch ein: Peter H. gab in einer „eidesstattlichen Versicherung“ an, dass er zu seinen belastenden Aussagen gegen Ulvi K. animiert wurde.

Neu für die Öffentlichkeit dürfte folgendes sein, auch wenn nicht klar ist, woher diese Aussage stammt:

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 94

Über die Genehmigung des Wiederaufnahmeverfahrens schreibt die Autorin:

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 96

Es ist wirklich schwierig, bei dieser Fülle an Material die Rosinen herauszupicken.

Was der Autorin richtig vorkommt und was sie selbst euphorisch werden lässt, mutet mir persönlich nicht sehr sympathisch an. So widmet sich ein ganzer Abschnitt in dem Buch nun über mediale Erfolge.

Auch als das Wiederaufnahmeverfahren startet ist die Rolle der Autorin offensichtlich wichtig:

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 98

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 99

Es ist ein Vorrecht der Erfolgreichen, ihren eigenen Erfolg auch zu thematisieren. Die Freude über Applaus im Gerichtssaal aber irritiert.

 

Das gesamte Verfahren wird auf 1,5 Seiten abgehandelt. Wie schnell hier Vorwürfe an das Gericht in Lob auf den Freispruch übergehen lässt sich nur zeigen, indem der Abschnitt über den Prozess gezeigt wird. Ab Seite 100 schliesst sich schon der Sektempfang zur Feier des Freispruchs an.


Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 99

Die nächsten Kapitel beschäftigen sich mit der Entlassung Ulvi K.s aus der Forensik (ab Seite  105) und über das, was mit Peggy geschah (ab Seite 111). Dabei stellt die Autorin die Rolle der „Unterstützergruppe“ hervor, die eine „erneute Befragung von Peggys Mutter, die Menschen beschimpft, die nach ihrer Tochter suchen“ verlangte. Die Vorwürfe gegen sie werden weitergeführt so zum Beispiel wegen „vielfachen falschen Angaben …, wodurch dann letztendlich Ulvi belastet und als Täter verurteilt werden konnte.“

Im Folgenden wird der Leichenfund thematisiert und damit verbundene Zweifel. Zeugen, die Peggy am Tag nach ihrem Verschwinden in Lichtenberg gesehen haben wollen, werden zitiert. Ebenso die vermeintlichen Sichtungen des Mädchens in der Türkei, die DNA-Trugspur, die in Richtung NSU zeigte, … und wieder Vorwürfe gegen Peggys Mutter:

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 121

Ist irgendeinem der Leser des Buches oder dieses Blogs klar, was diese immer wiederkehrenden Vorwürfe an die Mutter eines Mordopfers in einer Dokumentation eines Kriminalfalls zu suchen haben?

 

Das Finale des Buchs leiten die Ermittlungen gegen Manuel S. ein, der zwar Ulvi K. belastete, den die Autorin aber wie folgt beschreibt:

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 124

 

Der ruhige, sympathische Kerl mit Vorliebe für Bier belastet also Ulvi K. und macht damit eine Geschichte rund, die schon seit Herbst 2001 in den Geständnissen von Ulvi K. ihren Anfang nahm. Denn dieser wiederum hatte Manuel S. als Verbringer der Leiche benannt.

Ist dieses positive Leumundszeugnis für Jemanden, der den eigenen Schutzbefohlenen des Mordes belastet, glaubwürdig?

 

Weiter geht es mit der Abhöraktion während der damals noch laufenden Ermittlungen. Von dieser war die Autorin aber auch ihr Mann und viele ihrer Kontakte betroffen.

Quelle: Weggesperrt, Gudrun Rödel (2021) Seite 129


Vielleicht ein schönes Schlusswort für diese Buchkritik. Der geneigte Leser hätte sich sicherlich mehr „knallharte Fakten“ gewünscht.

 

 

 

Fazit

Wir haben uns die Mühe gemacht, den Teil über Peggy Knobloch, zu lesen und zu analysieren.

 

Form und Inhalt des Buches legen nahe, dass es vor der Veröffentlichung keine Redaktion gab:

  • Die Verwendung unterschiedlichster Schriftbilder sowie fehlende Bildbeschreibungen machen die Orientierung schwer.
  • Unklare Kapitelunterteilung erschweren die Orientierung
  • Fehlende Quellenangaben werten die präsentierten Inhalte ab

 

Verprechen des Buchs:

Das Buch sollte als Dokumentation nachweisen, dass in Deutschland systematisch Unschuldige weggesperrt werden. Dieses Ziel wurde unserer Meinung nach nicht erfüllt.

Eine Dokumentation zeichnet sich durch die objektive Gegenüberstellung vollständiger Informationen aus, deren Bewertung aufgrund von nachvollziehbaren Kriterien erfolgt.

  • Die Ichform, in der weite Teile des Buchs erzählt sind, gibt den Inhalten gar keine Chance, neutral präsentiert zu werden. Die Entscheidung für diese Erzählform ist kontraproduktiv.
  • Jemand, der weitgehend vollständige Akteneinsicht hat(te) und der den Mut fasst, Akten in einem Buch zu veröffentlichen, hätte diesen Schritt in aller Konsequenz machen müssen. Akten nicht nur satzweise zu zeigen, mit vollständiger Beschreibung wie Ortangabe, Zeitstempel, Namen. Dieses Stückwerk verwirrt und ist nicht überzeugend. Es hinterlässt Fragezeichen.
  • Mit dem in einem Buch verfügbaren Platz wäre es ein Leichtes gewesen, einzelne Sachverhalte gründlich und vollständig zu beleuchten. Das wurde nicht gemacht, stattdessen ging es im Galopp durch die subjektiv wichtigen Sachverhalte.
  • Das Weglassen von Informationen, die in der Öffentlichkeit bestens bekannt sind, riskiert die Glaubwürdigkeit einer meinungsbildenden „Dokumentation“; wenn nur unerwünschte Informationen weggelassen werden, dann ist der Überzeugungswert gering. Hier wird dem Leser die Intelligenz abgesprochen, auch kritische Sachverhalte einschätzen zu können. Vielmehr soll der Leser im Strudel der Argumente eingesogen werden.
  • Die Bewertungsmaßstäbe der einzelnen Ermittlungsergebnisse und Zeugenaussagen bleiben im Dunkeln; warum manches als glaubwürdig, wieder anderes als falsch bewertet wird ist unklar. So wird es versäumt, klare Nachweise zu führen, warum das eine gilt, das andere nicht. Als gemeinsamer Nenner der Bewertungen ist lediglich die Tonart festzustellen: Belastendes gegen Ulvi K. wird tendenziell negiert, Entlastendes verstärkt wahrgenommen.

 

Die Schwarz-Weiß-Sicht verhindert, dass der Leser das Gefühl einer objektiven Darstellung bekommt. Dabei wäre in diesem Fall eine kritische Auseinandersetzung so leicht gewesen. Die Unschuld Ulvi K.s bzgl. des Mordes an Peggy muss nicht seiner Schuld bzgl. der Missbräuche entgegenstehen.

 

Das Feuerwerk an Vorwürfen gegen Peggys Mutter, ihre Familie, gegen Zeugen, Ermittler, Staatsanwaltschaft, Gutachter, das Gericht usw. ist beeindruckend. Kein einziger dieser Vorwürfe wird zufriedenstellend erläutert und nachgewiesen.

Vieles wirkt unnötig wie die Frage, ob Peggy sich vegetarisch ernährte oder ob ihr Spielfreund von damals Opferrente bezog. Souverän ist anders.

Das Buch ist eine persönliche Abrechnung, eine Art Tagebuch mit dem Wunsch, den Leser auf seine Seite zu ziehen. Das mag gelingen, wenn der Leser schon der Meinung ist, dass der Rechtsstaat zugunsten von wirklichen Tätern Unschuldige verurteilt. Mit einem bereits vorhandenen Misstrauen gegen Behörden könnte die Leichtigkeit, mit der über Ungereimtheiten und Lücken hinweggegangen wird, überzeugend wirken. Jemanden, der den Fall schon kennt, wird die Autorin schwerlich in seiner Einschätzung beeinflussen können. Der, der es ähnlich sieht wie sie, wird sich bestärkt fühlen, die anderen bleiben mit den schon vorhandenen Zweifeln zurück.

Neues, das einen Aha-Effekt erzeugt, gibt es nicht. 95% aller angesprochenen Einzelheiten wurden in den öffentlich verfügbaren Zeitungsartikeln, Pressemitteilungen und Webseiten bereits veröffentlicht.

 

 

Als persönliches Schlusswort möchte ich folgendes anmerken: die Unterstellungen und Anschuldigungen gegen Personen, das nächtliche Verfolgen eines Richters, die Überheblichkeit, mit der eine zu klein empfundene 5€-Spende betrachtet wird, das Feiern einer großen Spende an die Autorin persönlich, die negative Beschreibung eines kindlichen Mordopfers und seiner Lebensumstände, das Negieren bzw. das Beschönigen von sexuellem Missbrauch durch Ulvi K., das abwechselnde opportune Einspannen und Verachten der Medien – solche Dinge sind abstossend. Auch wenn moralisches Empfinden kein Kriterium sein darf, wenn es um eine Buchempfehlung geht, so sind die hier enthaltenen "Informationen" auf weiten Strecken eher einem Internetchat würdig als einem Druckerzeugnis. 


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Liebe Leser,

Die Buchkritik endet hiermit.

Wer bisher durchgehalten hat, dem sei ein großes D A N K E S C H Ö N zugeraunt, in Sperrschrift wohlgemerkt.

Vielleicht mag sich Jemand ein eigenes Bild machen und unserer kritischen Auseinandersetzung widersprechen oder zustimmen? Wir überlegen uns, unser Exemplar des Buches zu verlosen.Dazu müssen wir aber erst die rechtlichen Voraussetzungen eines Gewinnspiels prüfen.

Falls es noch Fragen gibt zu der Buchkritik würden wir uns sehr darüber freuen. Solange das Buch noch in unserem Besitz ist beantworten wir das natürlich gerne.


Der nächste Blogbeitrag wird den Versuch starten, Frau Rödel einige konkrete Fragen zu stellen. Falls Euch da was auf den Nägeln brennt, her damit.